|
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker, Sehr geehrte Frau Landesoberschützenmeisterin Lange, Sehr geehrte Ehrengäste, liebe Vereinskammeraden, Sehr geehrte Gäste
Als Ernst Nißler mit seinen Getreuen 1909 das Schützenwesen in Kirchheim neu aufleben ließ, knüpfte er an eine Geschichte an, die bereits vor über 500 Jahren begann. Denn bereits 1488 wird das Schützenwesen in Kirchheim in Form eines Schützenfestes urkundlich erwähnt. Die Stadt Kirchheim hatte zu dieser Zeit einen Armbruster im Städtischen Dienst. Dieser bezog dafür ein festes Einkommen, nebst freiem Wohnsitz, auf dem Turm des Lindacher Tors und zählte zu den Männern von hohem Rang und Ansehen. Es existieren noch Heute verschiede Hinweise auf diese goldene Zeit des Schützenwesens. So erinnert noch heute die Armbruststraße an den Übungsplatz der Armbrust Schützen, der sich zum damaligen Zeitpunkt auf dem Platz der heutigen Zionskappele befunden hat.
Auch der Schießwasen hat seinen Namen nicht umsonst erhalten, denn dort wo heute Häuser stehen war damals der Schießplatz der ersten Vorderlader Schützen. Wenn ich heute als Vorstand in das 16te Jahrhundert zurückblicke, so kann ich einen gewissen Neid nicht verhehlen, da damals der Schützenverein bis zu 570 Mitglieder zählte. Es drängt sich der Eindruck auf, dass damals jeder der etwas auf sich hielt, Mitglied im Schützenverein war.
Über viele Jahre hinweg hatte das Schützenwesen in Kirchheim eine wechselvolle Geschichte, nach dem 30 jährigen Krieg, zuerst das Verbot der Schießübungen, dann 1794 die Wiederaufnahme des Schießbetriebs, 1809 die allgemeine Volksentwaffnung die 1817 wieder aufgehoben wurde. 1834 wurde dann der der Bau eines neuen Schießhauses, auf der Bleiche beschlossen, und schon am 11. Juni 1836 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Kirchheimer Schützen gingen jetzt einer neuen Blütezeit entgegen, und wenn man die Mitgliederlisten von damals durchsieht, so vermisst man kaum eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Ab 1897 konnte dann das Schießhaus nicht mehr genutzt werden, da es baufällig war, der spätere Eigentumsverbleib kann nicht mehr belegt werden.
Bei einer solch bewegten Geschichte, war es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis sich in Kirchheim wieder Enthusiasten fanden, um das Schützenwesen neu zu begründen. 1909 war es dann soweit, Ernst Nißler konnte einige engagierte Kirchheimer Bürger um sich scharen, und mit ihnen die Tradition der Kirchheimer Schützen wieder aufnehmen. Diesen Sportsgeist hat Ernst Nißler wohl auch an seine Kinder und Kindeskinder weitergegeben, denn sein Sohn Hans Nißler hat ebenfalls die Geschicke der SGK einige Jahre als Vorstand geleitet, und auch dessen Sohn Hans Dieter Nißler lässt es sich nicht nehmen, immer wieder sein Ministerium in Berlin für die Kirchheimer Schützen zu verlassen, um uns so wie heute, mit seiner Frau Gesellschaft zu leisten.
Aber auch nach 1909 blieb die Geschichte der SG Kirchheim spannend, und in der Chronik sind verschiede Standorte nachzulesen, so hat der Schützenklub „Vorstadt“ um 1920 im „Deutschen Kaiser“ seine Schießübungen abgehalten. Bald darauf nannte sich der Schützenklub „Vorstadt“ dann in „Zimmerschützen-Gesellschaft 1909“ um, und ist ca. 1928 aus Platzmangel in den „Fuchsen“ übergesiedelt.
Als dann der 2. Weltkrieg tobte wurde der Schießbetrieb vollständig eingestellt, in dieser Zeit gingen bis auf einige Ehrenscheiben aus den 20er und 30er Jahren, leider viele historische Dokumente der Kirchheimer Schützen aus der Zeit von 1909 bis 1940 verloren, oder sie wurden vernichtet.
Wie wir es inzwischen aber von den Kirchheimer Sportschützen gewohnt sind, regte sich bald nach der Kapitulation der Schützengeist erneut. Hierüber ist nachzulesen, dass Ernst Nißler am 16. Februar 1954 zu einer konstituierenden Versammlung einlud. Bei dieser Versammlung wurde Ernst Nißler zum Ehrenvorsitzenden ernannt, und der neue Vorstand wie folgt gewählt. Karl Ramsperger als Vorsitzender, Alexander Orth als stellvertretender Vorsitzender, Ernst Schwarz als Kassier, der ehemalige Städtische Oberamtmann Eberhard Schwarz als Schriftführer, Otto Philipp als Schützenmeister, Eugen Fritz und Eugen Brenz als Beisitzer.
Nun konnte der Schießbetrieb mit anfänglich 10 Schützen wieder aufgenommen werden. Als Schützenhaus diente damals das „Deutsche Haus“ in dem 3 Luftgewehrbahnen Platz fanden. Als dann im Jahre 1959 Fritz Schur die Vereinsführung übernahm, zählte die Zimmerschützengesellschaft bereits 36 Mitglieder.
Unter der Führung von Fritz Schurr bemühte sich die damalige Zimmerschützengesellschaft viele Jahre redlich um einen Platz zum Bau eines Schützenhauses und einer KK-Anlage. Es waren verschiedene Standorte in der Auswahl, z. B. ein Platz an der Deula und einer in der Bohnau entlang des Gießnaubachs, ein komplett projektiertes Schützenhaus mit Bogenplatz konnte nach Plänen von Eugen Hacker zur Genehmigung eingereicht werden. Leider legten die Anwohner Wiederspruch ein, und keines dieser Vorhaben konnte umgesetzt werden. Zum KK-Schießen muss somit bis heute auf auswärtige Anlagen ausgewichen werden.
Seit Juni 1962 hat der Verein im städtischen Gebäude Wollmarktstraße 32 eine Bleibe gefunden. In der früheren Schlosserwerkstatt mit Schmiede der ehemaligen Kreisberufsschule im Freihofareal hat die Stadt Kirchheim den Schützen ein Schützenhaus zur Verfügung gestellt.
Aber auch die nachfolgenden Oberschützenmeister waren nicht untätig, zu Hans Nißler’s Zeiten bekamen die Kirchheimer Schützen eine renovierte Küche und eine sanitäre Anlage, maßgeblich beteiligt war hierbei mal wieder unser Ehrenmitglied Eugen Hacker, der uns mit Fachkenntnis, Material und Arbeitskräften wie schon öfters zuvor zur Seite stand.
Währen der Vorstandschaft unseres heutigen Ehren-Oberschützenmeister Richard Gubo wurde eine Waffenkammer und ein Ölraum eingebaut, fürs Material hat natürlich mal wieder unser Eugen gesorgt. Einige Jahre später als Richard dann noch den Aufenthaltsraum und vor allem die komplette Schießanlage mit seinen Mannen renovierte, standen am Ende 1250 abgeleistete Arbeitsstunden und 16.000.- DM verbautes Material.
Heinz Behringer ließ dann die moderne Technik Einzug halten, unter seiner Führung wurden 8 elektronische Schießanlagen mit Server installiert, und somit machte er die Schützengesellschaft Kirchheim zu einem der modernsten Vereine im Bezirk Neckar. Diese finanzielle Höchstleistung von 25.000,- € konnte nur mit öffentlichen Zuschüssen, Spenden und zinslosen Darlehen der Mitglieder gestemmt werden.
Doch was hätten die OSM’s von Kirchheim getan, wenn sie nicht immer ehrenamtliche Helfer gefunden hätten, die Ihre Visionen mit realisierten. Viele ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden im Schützenhaus so zum Wohl aller geleistet. Solche Bauvorhaben förderten auch immer die Kameradschaft, und wir hatten immer eine harmonische Stimmung auf unseren Baustellen.
Nicht zu vergessen sind jedoch auch die Instandsetzungen der Außenfassade am Gebäude, welche durch die Stadt Kirchheim vorgenommen wurden, und unser Schützenhaus auch von außen wieder ansehnlich machten. Und wer weiß, mit etwas Glück, bekommen wir vielleicht in den nächsten 1 - 2 Jahren sogar noch die langerwarteten neuen Fester.
Aber auch Sportlich gesehen müssen wir uns nicht verstecken, den welch anderer Verein kann bei 53 Mitgliedern mit 2 Luftgewehr, einer LuPi, einer SpoPi und einer KK Mannschaft aufwarten. Dem Trainingsfleiß der aktiven Schützen ist es zuzuschreiben, dass wir uns in den letzten Jahren mehrfach, in verschiedenen Disziplinen an der Tabellenspitze der Kreis Oberliga wiederfanden, und somit auch wiederholt in die Bezirksliga aufgestiegen sind. Ich wünsche der Schützengesellschaft Kirchheim weiterhin eine sportlich erfolgreiche Zukunft und eine gute Kameradschaft, die Ihr sicherlich auch heute Abend pflegen werdet.
Zum Abschuss möchte ich nun meinen Dank aussprechen. Dem Festausschuss für die konstruktive und harmonische Zusammenarbeit, auch wenn es manchmal etwas später wurde. Ich möchte stellvertretend nur einige Namen nennen: Martin Kielkopf danke nicht nur für die Mithilfe bei der Festschrift, Markus Kielkopf als Schießleiter hattest du, unter anderem das Jubiläumsschießen für den Gau Teck und die SGK zu organisieren, Julia Maiberger danke für die Unterstützung bei den Texten für die Festschrift, es ist schön dass Englisch Lehrer sogar Deutsch können. Mein Dank gilt auch all denen, die Heute für einen reibungslosen und perfekten Ablauf sorgen, und nicht zuletzt dem Deko-Team, das diesen Saal in einen Festsaal verwandelt hat.
Des weiteren möchte ich euch allen für`s Kommen danken, denn durch eure Teilnahme am heutigen Abend, wurde der gebührende festliche Rahmen für unser 100 jähriges Jubiläum geschaffen.
Last but not least möchte ich zum Abschluss meiner Rede einer Person extra danken, denn wir haben ein Mitglied unter uns, das sich mit dem Schützenwesen wie kaum ein Zweites auskennt, und an solche Veranstaltungen wie heute wahrscheinlich schon hundertfach teilgenommen hat. So eine Veranstaltung wird schon dadurch etwas einfacher wenn man jemanden fragen kann, der sich damit auskennt. Aber so wie es seine Natur ist, hat er sich nicht nur aufs Reden beschränkt, sondern hat sich Aktiv an allen Positionen eingebracht. Vielen Dank Richard für deine Mitarbeit und deine Moderation am heutigen Abend
Somit wünscht euch die Schützengesellschaft Kirchheim im weiteren Verlauf einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.
|