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Kirchheimer Schützen feiern Jubiläum PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Montag, 13. Juli 2009

Zeitungsbericht des Teckboten vom 10.7.09

Die Schützengesellschaft 1909 Kirchheim besteht seit einem Jahrhundert 

Die Schützengesellschaft 1909 Kirchheim feiert am morgigen Samstag ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum in der Stadthalle in Kirchheim.

Die Anfänge des Kirchheimer Schützenwesens gehen in die Zeit des Rittertums zurück. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts hatte Kirchheim einen in städtischen Diensten stehenden Armbruster, der den Schützen ihre Armbrust fertigte und alljährlich eine neue Armbrust in das städtische Areal lieferte. Er bezog dafür ein festes Einkommen nebst freiem Wohnsitz auf dem Turm des Lindacher Tores und genoss hohes Ansehen. In seine Zeit fällt das erste urkundlich nachweisbare Schützenfest in Kirchheim im Jahre 1488. Voraussetzung dafür war, dass die Schützenbrüderschaft über ein Schützenhaus verfügte. Dieses stand damals in der Armbruststraße, heute Hindenburgstraße, wo jetzt die Zionskapelle steht. Austragungen von Armbrust- und Büchsenschießen in Kirchheim sowie eine Teilnahme der Kirchheimer Schützen an einem Schießwettkampf 1584 in Nürnberg sind auch bekannt. Die Teilnehmer kamen dabei aus ganz Süddeutschland und sogar aus Meran.
Großes Interesse am Kirchheimer Schützenwesen gab es vor allem im 16. Jahrhundert bis zum Beginn des 30-jährigen Krieges. Die daraus folgenden hohen Mitgliederzahlen sorgten für reges Leben bei den Schützen, wie auch für viele Erfolge bei auswärtigen Preisschießen. Nach dem 30-jährigen Krieg teilte die Kirchheimer Schützengesellschaft das Los mit den übrigen Schützengilden des Landes. Die Regierung nahm den Gilden nach und nach ihre Selbständigkeit. Seit 1756 war der Schießplatz nicht mehr zu Schießübungen benutzt worden, weil die Regierung „öffentliche und private Schießen“ ohne oberamtliche Genehmigung verboten hatte. 1794 wurden die Schie߬übungen von Amts wegen wieder angeordnet. Aber der Schießbetrieb konnte nicht wieder aufgenommen werden, da die Schießstätte inzwischen von einem gewerblichen Unternehmen zur Tuchbleicherei benutzt worden und die Schießanlage verfallen war.
1809 kam dann unter der Regierung Friedrich I. die allgemeine Volksentwaffnung. Diese Verordnung wurde jedoch 1817 wieder aufgehoben, es fehlte nun aber ein Schützenheim, da das Gelände vor dem Schießhaus überbaut worden war und die Stadt das Schießhaus ohne Genehmigung der Gesellschaft verkauft hatte. So kam es zum Streit zwischen den Schützen und der Stadt. 1824 kam es zu einem Vergleich, in dem sich die Stadt verpflichtete, den zum Bau eines neuen Schießhauses erforderlichen Platz unentgeltlich abzutreten, wie auch zum Bau einiges beizusteuern. Trotz des Vergleichs dauerte die Erbauung einer Schießstätte längere Zeit, da offenbar die Frage der Verlegung der Schießstätte auf den Ziegelwasen eine Rolle spielte und viel diskutiert wurde. Dieser Plan wurde aber nach einigem Hin und Her nicht realisiert. 1834 wurde dann der Bau des neuen Schießhauses auf dem vorherigen Platz beschlossen, im Juni 1836 konnte das Richtfest gefeiert werden.
Nachdem nun wieder eine neue Schießstätte zur Verfügung stand, ging die Schützengesellschaft einer neuen Blütezeit entgegen. Ein reger Schießbetrieb entwickelte sich und die Schützen fanden sich aus allen Berufen zusammen. Die Freiheitsbewegung 1848/1849 brachte der Schützengesellschaft einen starken Zuwachs an Mitgliedern. Die Schützenbrüder dienten auch dem Gemeinwohl und boten gerne ihre Kraft der guten Sache an, als Wachmannschaft der Feuerwehr zum Beispiel. Zudem traten die Schützen in die Reihen der Bürgerwehr ein und stellten ihr Schießhaus auch dem Turnverein zur Verfügung.
Ab 1897 war das Schießen der alten Schützengesellschaft nicht mehr möglich, da das Schießhaus baufällig geworden war. Laut dem noch vorhandenen Protokollbuch aus diesem Jahr wurde dann beschlossen, das Schießhaus an Fabrikant Muser zum Preis von 40 Mark jährlich zu verpachten. 1899 entschied man hingegen das Schießhaus an die Stadtgemeinde zum Preis von 400 DM zu verkaufen, doch es kam vermutlich nie zu diesem Verkauf. Auch im 20. Jahrhundert regte sich der Schützengeist wieder und es kam zur Gründung von Schützenvereinen, nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Bezirksorten.
Die Zimmerschützengesellschaft wurde 1909 als Schützenklub „Vorstadt“, der ursprünglich in der einstigen Wirtschaft „Zum Deutschen Kaiser“ in der Dettinger Straße 66 seine Schießübungen abhielt, gegründet. Dies geschah wahrscheinlich auf die Inititative von Ernst Nißler, der gleichzeitig wohl auch Vorsitzender war. Mit Sicherheit kann man dies allerdings nicht sagen, denn leider sind aus der Zeit von 1909 bis zum Zweiten Weltkrieg keine schriftlichen Unterlagen mehr vorhanden. Anhand einer alten Mitgliedskarte mit Statuten geht allerdings hervor, dass der ursprüngliche Schützenklub „Vorstadt“ seinen Namen in „Schützengesellschaft Kirchheim unter Teck“ geändert hat.
In den Statuten wurde zudem gesagt, dass „der Zweck des Klubs ist, das Schießen zu pflegen sowie auch in ungezwungener Weise einen Teil der freien Zeit in gemütlicher Unterhaltung angenehmer auszufüllen“. „Geschossen wird vom 1. Oktober bis 30. April abends von 8 bis 10 Uhr und vom 1. Mai bis 30. September von 8.30 bis 10.30 Uhr. Jedes Mitglied bezahlt eine Aufnahmegebühr von zwei Mark und einen Monatsbeitrag von 50 Pfennig. Für einen dem Zeiger oder sonstigem Mitglied durch Verschulden des Schützen zugestoßenen Unfall ist der betreffende Schütze haftbar, nicht aber der Klub“. Am Schluss wird noch festgestellt „während dem Schießen sollte eine zu große Diskussion nicht stattfinden“.
Im März 1913 entschlossen sich die Vereine rund um die Teck den Zimmerschützenverband Teck zu gründen. Beteiligt waren außer den Kirchheimer Schützen noch die Vereine Brucken, Owen, Dettingen, Bissingen und Holzmaden. Aus spär¬lichen Zeitungsnotizen geht hervor, dass der Schützenklub „Vorstadt“ 1910 eine gelungene Weihnachtsfeier im „Deutschen Kaiser“ abgehalten hat und dass 1913 ein größeres öffentliches Preisschießen stattfand, bei dem wertvolle Ehrengaben verliehen wurden. 1920 war eine Ankündigung der Schützen zu lesen, in der sie bekanntgaben, dass für ein Eröffnungsschießen auch ein Bolzen-Schießstand eingerichtet worden war. Geschossen wurde damals, wie schon erwähnt, im „Deutschen Kaiser“. Die dortige Schießbahn war aber wohl zu kurz und zu wenig geräumig, weshalb die Schützengesellschaft in den „Fuchsen“ übergesiedelt ist. Dies kann aber erst nach 1928 gewesen sein, da in dem genannten Jahr der „Fuchsen“ baulich vergrößert und mit einer neuen Kegelbahn versehen wurde.
In der Zeit des Ersten Weltkrieges hörte der Schießbetrieb auf, weil die Schützen zum größten Teil im Feld waren. Ab 1920 nahm man die regelmäßigen Übungsabende wieder auf, aufgrund dessen entfaltete sich wieder ein reges Schützenleben und die Kirchheimer Schützen beteiligten sich eifrig an auswärtigen Schießen der Nachbarvereine. Bis 1939, dem ersten Kriegsjahr des Zweiten Weltkrieges, wurden Übungsschießen abgehalten. Vermutlich hörte in den ersten Kriegsjahren das Schießen wieder auf, und als der Krieg zu Ende war, wurden neben anderen Vereinen, auch die Schützenvereine verboten und Haus- und Grundbesitz sowie Kassenbestände beschlagnahmt.
Nach Normalisierung der Verhältnisse lebte auch die Schützengesellschaft wieder auf. Im Mai 1953 gab es auf Einladung des früheren Vorsitzenden Ernst Nißler eine erste Zusammenkunft im „Deutschen Haus“, in der über die Wiederaufnahme des Schießbetriebes debattiert wurde. Eine konstituierende Versammlung, bei der Ernst Nißler zum Ehrenvorsitzenden ernannt und Karl Ramsperger zum Vorsitzenden gewählt wurde, fand im Februar 1954 statt. Der Schießbetrieb konnte anfänglich mit circa zehn Mitgliedern auf drei Schießständen durchgeführt werden. An Gewehren konnte der Verein sein Eigen nennen: zwei Zimmerstutzen, einen Karabiner und zwei Luftgewehre. Die meisten Mitglieder legten sich jedoch bald eigene Gewehre zu. Im Sommer 1955 und 1956 wurden zur Aufbesserung der Kasse auf dem Sportplatz des TSV 1861 Kirchheim öffentliche Preisschießen abgehalten und es gab an der gleichen Stätte zu dieser Zeit auch eine Kreismeisterschaft.
Im Jahre 1959 übernahm dann Fritz Schur die Leitung der Zimmerschützengesellschaft, der Verein zählte damals 36 Mitglieder. Alle Bemühungen um einen Platz zum Bau eines Schützenhauses sowie einer KK-Anlage blieben ohne Erfolg. Zum KK-Schießen muss daher bis heute auf auswärtige Anlagen ausgewichen werden. Seit Juni 1962 hat der Verein jedoch eine Bleibe in einem städtischen Gebäude in der Wollmarktstraße 32. Die frühere Schlosserwerkstatt mit Schmiede im Freihofareal wurde den Schützen von der Stadt zur Verfügung gestellt und von ihnen zu einem Schieß- und Aufenthaltsraum ausgebaut. In den Jahren 1981, 1993/94, 2001 und 2004 wurde immer weiterrenoviert und ein familiäres Schützenhaus mit acht modern ausgerüsteten Luftdruckständen entstand. Die Instandsetzung der Außenfassade des Gebäudes wurde von der Stadt Kirchheim vorgenommen.
Zu einem der größten gesellschaft¬lichen Highlights der Schützengesellschaft zählt das alle zwei Jahre stattfindende Ernst-Nißler-Gedächtnisschießen, an dem viele Kirchheimer Organisationen, Sport- und Kulturvereine beteiligt sind. Die Vorbereitung und Ausrichtung des „Ball des Sports“ für den Stadtverband für Leibesübungen ist für die Schützengesellschaft, zusammen mit dem TSV Nabern und dem Alpenverein, stets eine Herausforderung. Als Ausrichter war die Schützengesellschaft zudem 1998 bei der Bannerweihe des Schützenkreises Gau Teck tätig, zu diesem Anlass gab es einen großen Umzug durch die Kirchheimer Innenstadt.
Bei den Wettkämpfen der Kreisliga und Kreis-Oberliga gehen für die Schützengesellschaft Kirchheim zwei Luftgewehr-, ein Standardgewehr-, ein Luftpistolen- und eine Sportpistolenmannschaft an den Start. Große Erfolge erzielt der Verein vor allem in der Jugendarbeit, was sich in zahlreichen Spitzenleistungen zeigt. Die Trainingszeiten für interessierte Jugendliche sind Montag und Donnerstag ab 19 Uhr und für Erwachsene donnerstags ab 20 Uhr im Schützenhaus in der Wollmarktstraße 32 in Kirchheim.
Der Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft 1909 Kirchheim in der Stadthalle am morgigen Samstag hält ab 18.30 Uhr einiges für die Gäste bereit. Das Programm beginnt nicht wie geplant mit dem Böllerschießen auf dem Postplatz, sondern mit dem Fahneneinmarsch in die Stadthalle. Begrüßung und Totenehrung folgen. Als nächste Programmpunkte sind die Grußworte und Festreden sowie Siegerehrungen und Ehrungen festgelegt. Gegen 21 Uhr wird das Programm mit den Grafenberger Spatzen und „Musik und Tanz“ fortgesetzt. Im weiteren Verlauf des Abends unterhalten der TVU Rope-Skipping, der 2008 an der Weltmeisterschaft in Südafrika teilgenommen hat, und der 1. TSC Kirchheim mit Formationstanz und Standardtänzen. Für Bewirtung ist gesorgt. ekj
Letzte Aktualisierung ( Montag, 13. Juli 2009 )
 
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